Feiertage als »Langstreckenläufer« und »Kriegsfamilie«

Karfreitag und das Auferstehungsfest liegen in diesem Jahr wieder inmitten der Pessachfeiertage. Neben den alltäglichen Aufgaben stecken wir in den unterschiedlichsten Festvorbereitungen, fegen den Sauerteig aus unseren Häusern und v. a. den Küchen, üben Lieder für ein Konzert für die Heimbewohner, kochen, backen – immer mit einem Auge auf die Alarm-App und einem Ohr auf die Geräusche gerichtet, die von außerhalb des Hauses kommen.

Der Sederabend zu Beginn des Pessachfestes ist vergleichbar mit unserem Heiligen Abend. Man kauft neue Kleider, verteilt Geschenke, verschickt Feiertagsgrüße, bereitet kulinarische Köstlichkeiten zu, plant Verwandtenbesuche und diskutiert, welche Oma die traditionellen Speisen am besten kochen kann.

Sederabend in Shavei Zion – als »Kriegsfamilie«.

Eine zentrale Frage, die im Lauf der Liturgie gestellt wird, lautet: »Was unterscheidet diese Nacht von anderen Nächten?« – Vieles in diesem Jahr. Statt im Kreis der Großfamilie feierten die aktuellen Gäste in Shavei Zion im Rahmen der bunt zusammen gewürfelten »Kriegsfamilie«. (Der Zivilschutz hatte vor langen Überlandstrecken gewarnt.) Ca. 40 Personen saßen im festlich gedeckten Speisesaal. Gleich zu Beginn wurde geklärt, welche Saalseite im Fall eines (an diesem Fest zu erwartenden) Raketenbeschusses in welchen Bunker, bzw. Schutzraum gehen würde. Jeder beteiligte sich mit seinen Gaben an der Gestaltung des Abends und des Festessens.

»Sehr gelungen« – konnten wir alle satt und zufrieden am Ende der Feier sagen und fügten hinzu: »Und Gott sei Dank ohne Alarm.« Dieser kam dann zwei Tage später mit voller Wucht.

Auch in Maalot unterschied sich die Nacht von anderen Nächten. Die Mitarbeiter hatten den Bunkereingang liebevoll vorbereitet und die Tafel festlich gedeckt. Hier führte der Sohn einer Heimbewohnerin durch den Abend. Staunend und anerkennend den Kopf schüttelnd sprachen die Angehörigen der Heimbewohner ihre Dankbarkeit für die Gestaltung des Abends aus.

Jüdische und christliche Feiertage im Ausnahmezustand.

Das Beste aus jeder Situation machen – das ist nach wie vor unser tägliches Motto – und wir merken, wie unser Herr uns dazu immer wieder neu mit Kraft und Kreativität beschenkt.

Das 40. Kapitel des Jesajabuches, das mit dem Leitvers der Arbeit von Zedakah beginnt, endet in Vers 31: »Aber die auf den HERRN hoffen, gewinnen neue Kraft; sie heben die Schwingen empor wie die Adler, sie laufen und ermatten nicht, sie gehen und ermüden nicht.«

Das Bild des Langstreckenlaufs ist für unsere aktuelle Situation sehr passend. Das Ziel wird nicht durch einen eindrucksvollen Sprint zu Beginn des Laufes erreicht, sondern zeigt sich in der Ausdauer und dem Dranbleiben, gerade dann, wenn es anstrengend und kräftezehrend wird.

Wie gut, dass wir nicht alleine unterwegs sind. Wir haben die Gemeinschaft vor Ort, den »Rückenwind« der Gebete unserer Freunde aus Deutschland und v.a. unseren Herrn vor Augen, der uns Seine Kraft versprochen hat. An seine Auferstehungskraft erinnern wir uns heute in ganz besonderer Weise. ER lebt – das ist unsere Hoffnung, auch in dieser zunehmend hoffnungslosen Zeit und das möchten wir durch unser Hiersein unseren Gästen und Heimbewohnern weitergeben.

Die Maaloter »Langstreckenläufer«.