Multimediale Bildungs- und Begegnungsräume zur Antisemitismusprävention

Mit angsterfüllten Augen fragte sie den Leiter der Zedakah-Zentrale: „Und was tut ihr gegen den wach­senden Antisemitismus in Deutschland?“ Es ist der Abend der Gedenkveranstaltung zu „80 Jahre Reichspogromnacht“ in Berlin. Als Holocaustüberlebende weiß sie nur zu gut, was der Antisemitismus für Auswirkungen haben kann. Dass sich Zedakah in Israel für Holocaustüberlebende einsetzt ist ja in Ordnung, – aber ist das alles? Mehrfach wurden wir schon von Überlebenden der Schoah mit dieser Frage konfrontiert.

Kann überhaupt präventiv gegen Antisemitismus vorgegangen werden?

Eine große Herausforderung. Seit 2015 gedenken wir gemeinsam mit der Stadt Bad Liebenzell am Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz der Opfer des Holocausts. Die Veranstaltung,  bei der ein Holocaustüberlebender seine Lebensgeschichte erzählt, findet jährlich am 27. Januar im Spiegelsaal des Kurhauses von Bad Liebenzell statt.

Auch gibt es seit 2016 eine Kooperation mit dem lokalen Schuldekanat und der Medienfirma Morija in Form des gemeinsam gegründeten digitalen Archivs „Papierblatt“ (http://www.papierblatt.de). Hier werden zahlreiche Interviews von Holocaustüberlebenden archiviert und für den Schulunterricht und Forschungen aufgearbeitet. Wir sehen die Notwendigkeit, noch deutlicher und aufklärender gegen Antisemitismus vorzugehen.

Auf unserem Gelände des Gästehauses Bethel mit der Zedakah-Zentrale steht seit 1963 der „Zionsaal“, der als Versammlungsraum genutzt wird. Das Dach war sanierungsbedürftig. Sollten wir in diesem Zusammenhang das ganze Gebäude vielleicht aufstocken und die neu gewonnene Fläche dem Thema Antisemitismus widmen? Aber mit welchen Mitteln sollten wir solch ein Projekt finanzieren?

Zionsaal in seinem ursprünglichen Zustand

Frank Clesle, der Leiter der Zedakah-Zentrale berichtet:
„Betend schaue ich aus dem Fenster. Mein Blick fällt auf den Zion­saal: ‚(einfache Anführung) Herr, wir haben keine Mittel für solcherlei Ideen. Führe du nach deinem Willen. Bewahre vor voreiligen, eigenen Schritten. Bewahre aber auch vor Klein­glauben. Offenbare deinen Willen in dieser Angelegenheit.‘

Drei Tage später kommt ein Gast auf mich zu. Sein konkretes Anliegen: Hier im Gästehaus Bethel würden kostbare geistliche Inhalte vermittelt. Es fehle aber die Jugend. Er hatte von der beschlossenen Sanierung des Zionsaals gehört. Wenn schon saniert werden müsse, müsste man aus seiner Sicht auf­stocken. Wenn wir da etwas für Jugend­liche ausrichten könnten, würde er uns mit 100.000 Euro unterstützen.
Dieses Gespräch wird zum Startpunkt für das neue Projekt.  Der Zedakah-Vorstand, der Maisenba­cher Ortschaftsrat und der Bürger­meister von Bad Liebenzell geben grünes Licht. Bei der Abgabe der Bauvoranfrage bekommen wir den Hinweis, dass es für Projekte dieser Art öffentli­che Förderungen gibt. Das ist ein ganz neuer Gedanke für uns, hatte doch unser Werk noch nie zuvor öffentliche Mittel in An­spruch genommen.

Trotz anfänglicher Skepsis der Förderstelle wird das Projekt anerkannt und wir bekommen auf wundersame Weise die Zulassung zum Förderantrag. Ca. 50 % unserer Bausumme sollen durch öffentliche Mittel finanziert werden. Zudem entstehen neue wertvol­le Kontakte.

Obwohl die Landratsämter zu diesem Zeitpunkt mit Arbeit überlas­tet sind, bekommen wir die Baugeneh­migung innerhalb der kürzest möglichen Laufzeit – zum Staunen!

Vorbereitungen für den Abriss des maroden Daches

Im Februar 2020 beginnen die Bauarbeiten. Immer wieder erleben wir Gottes wunderbare Führungen. Wir staunen, wie der Herr uns Kontakte schenkt und Mitarbeiter, die ehrenamtlich viele Stunden in dieses Projekt investieren. Was auch keine Selbstverständlichkeit ist, dass das Wetter immer genau passend kommt.

Ein Beispiel: Das alte Dach soll abgerissen werden. Der Termin ist der 14. März. Es regnet bis zum 13. März, doch dann wird es trocken und sonnig. Am 20. März ist die neue Zwischendecke des Erdgeschosses fertig und wird zum Schluss mit einer dunklen Teichfolie abgedeckt. Einen Tag darauf gibt es einen Schneesturm und die schwarze Fläche ist strahlend weiß. Dieses Ereignis wiederholt sich, als das Dach vom 1. Stock mit Folie abgedeckt wird. Es ist sonnig bis zur Fertigstellung und am nächsten Tag schneit es erneut.

Was genau wird geplant?
Der Arbeitstitel dieses Projektes lautet: Multimediale Bildungs- und Begegnungsräume zur Antisemitismusprävention (kurz MBB).

Neue Räume, in denen es um die Geschichte Israels gehen wird

Über dem alten Versammlungsraum „Zionsaal“ entstehen zwei Räume, in denen vor allem junge Menschen, aber auch generationsübergreifend, die interessierte Öffentlichkeit mit dem Thema Judentum, Israel, Holocaust und vor allem Antisemitismus konfrontiert werden soll.

Mit dem Bildungs- und Begegnungsprogramm soll das Thema Israel begreif- und erlebbar gemacht werden. Das Ziel ist, vor allem junge Leute präventiv und aufklärend gegen Antisemitismus zu schulen und nachhaltig zu prägen.  Dies soll mit multimedialen Mitteln anschaulich und interaktiv ermöglicht werden.

Die Eröffnungsveranstaltung der MBB-Räume wird am 24. Januar 2021 stattfinden. Näheres wird noch bekannt gegeben.

Folgende Programme sind ab Januar geplant:

Die ersten drei Ausstellungen stehen fest:

  1. Jüdisches Leben im Nordschwarzwald
    mit Gabriel Stängle
    24.1.2021–28.1.2021
  2. Kunstausstellung – Abraham pflanzte einen Baum
    mit Marlis Glaser
    14.3.–8.4.2021
  3. Ausstellung 1948
    20.4.–31.5.2021

Das Angebot soll sukzessiv wachsen. Geplant sind weitere Programme wie:

  • Begegnungsprogramme mit Holocaustüberlebenden
  • Ausstellungen
  • Lehrerfortbildungen
  • Vorträge und Ausstellungen zum Thema Jüdisches Leben
  • Schülerprogramme für die Klassen 3–10
  • Familienprogramme
  • Fachvorträge
  • Programme für
    • Jungschargruppen
    • Konfirmandengruppen
    • Teeniegruppen
    • Jugendgruppen

Haben Sie Interesse oder gute Ideen? Wir freuen uns sehr über alle Anregungen oder Vorschläge.

Wenn Sie unser Team unterstützen möchten, dann schreiben Sie eine E-Mail an Daniel Wagner: d.wagner@zedakah.de

Wir suchen Personen für folgende Positionen:

  • Pädagogische Leitung
  • Ehrenamtliche, pädagogische Mitarbeit für Ausarbeitung der Schülerlektionen

Wenn Sie dieses Projekt unterstützen möchten, sind wir sehr dankbar!
IBAN: DE 22 6665 0085 0007 0039 78
Verwendungszweck: MBB-Räume