In unserem Pflegeheim Beth Elieser in Maalot werden seit 1984 pflegebedürftige Juden, die den Nationalsozialismus überlebt haben, gepflegt und umsorgt. Dazu stehen 24 begehrte Pflegeplätze zur Verfügung. Das Wort »Elieser« bedeutet »mein Gott ist Hilfe«. Diese Hilfe sollen die Bewohner durch praktische Nächstenliebe persönlich erfahren.

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Die Auswahl der Heimbewohner stellt für uns oft keine leichte Entscheidung dar. Schwierig ist es vor allem, wenn Anfragen von Menschen mit einer relativ guten finanziellen Grundlage kommen, die dementsprechend auch bezahlen möchten. Es ist uns aber wichtig, dass das Werk diejenigen findet und aufnimmt, die arm sind oder einfach keine Familie haben. Wir sind immer wieder bemüht, die Ärmsten und Einsamsten aufzunehmen und bis zu ihrem Tod zu pflegen.

Je nach Vermögensgrundlage zahlen die Heimbewohner einen Anteil für ihre Pflege in Beth Elieser. Ansonsten wird das Heim durch Spendengelder finanziert, denn Geld aus öffentlicher Hand gibt es nicht, weder von der Bundesrepublik Deutschland noch vom Staat Israel.

Vorbehalte von seiten der Heimbewohner gegenüber den deutschen Mitarbeitern gibt es nach unserer Erfahrung nicht, denn Menschen mit Vorbehalten würden das Angebot nicht wahrnehmen. Im Gegenteil stellen wir fest, dass es unter den jüdischen Menschen durchaus die Meinung gibt: »Bei denen [im Elieser] ist es am besten.« Das Altenpflegeheim hat in Israel einen guten Ruf. Die Nachfrage nach Heimplätzen ist relativ groß.

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Ein wirkliches Zuhause

Der »Liebesdienst« erstreckt sich auf die komplette Arbeit der Mitarbeiter. Dies zeigt sich u.a. daran, dass die Mitarbeiter die gesamte Pflegestation flotthalten, dass also die sechs bis neun Mitarbeiter, die auf einer Station tätig sind, für den gesamten Arbeitsanfall einschließlich der Stationsküche und der Putzarbeit verantwortlich sind. Das Altenpflegeheim entfernt sich dadurch vom gewöhnlichen Heimcharakter und kommt einem wirklichen »Zuhause« näher. Die Heimbewohner werden in ihren ganzen Bedürfnissen, so weit dies eben geleistet werden kann, von einer Gruppe von Menschen betreut, die für sie mehr sind als professionelle Helfer. Das kann für die Bewohner bedeuten: Sie halten sich nicht in einer »Altenanstalt« auf, in welcher hier Pflegepersonen und dort Putzfrauen ihre Arbeit verrichten, sondern sind im Heim zu Hause und haben Menschen um sich, die zu ihnen gehören und ein Stück ihres Weges mit ihnen gehen. Diese Arbeitsorganisation hat einen positiven Einfluss auf die gesamte Heimatmosphäre, was für die Heimbewohner, die alle im Schatten der Schoah (Holocaust) stehen, nicht unbedeutend ist.bild_maalot_0475

Jeweils am Freitag Abend, zu Schabbatbeginn, essen alle Mitarbeiter gemeinsam mit den Heimbewohnern auf der Station. Dadurch, dass nach jüdischer Berechnung der Tag mit dem Abend beginnt, wird der Schabbat von Freitagabend nach Einbruch der Dämmerung bis Samstagabend (Moza‘ ej Schabbat) nach Erscheinen von drei Sternen gefeiert. Der Schabbat ist als siebter Tag der Schöpfungswoche der Ruhetag für die Juden, den Gott heiligte (vgl. 1. Mose 2,3 und 2. Mose 20,11). Der Anfang vom Schabbat ist für die Heimbewohner ein Höhepunkt. Neben dem Schabbat und anderen Festtagen ist der Alltag im Altenpflegeheim für die Heimbewohner keineswegs langweilig oder monoton. Es gibt einen Physiotherapieraum und verschiedene Angebote der Beschäftigung für die alten Menschen.

Jeder unserer Heimbewohner ist ein Original Gottes, auch in seinem Gewordensein, in seinen Eigenarten, bei aller Schwäche und Hinfälligkeit. Er ist Gegenstand der Liebe Gottes!