Auf Papier die Hölle rekonstruiert – Kinder von Ella Liebermann-Shiber zu Besuch

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Wir laden am kommenden Sonntag ab 10 Uhr zum traditionellen Israel-Freundestag, der jedes Jahr am 1. Mai stattfindet, nach Maisenbach ein. In Vorträgen und Medienbeiträgen gibt es Aktuelles aus Israel und aus unserer Arbeit. Ein eindrucksvoller Rückblick führt zurück in die leidvolle Geschichte einer Holocaust-Überlebenden, die ihr eigenes Schicksal und das des jüdischen Volkes in Zeichnungen dokumentiert hat – Zeichnungen, die unter die Haut gehen.

Nach zwei Jahren kann das Israel-Freundestreffen wieder vor Ort stattfinden kann: zwar noch nicht im großen 1500-Personen-Zelt, wie es über viele Jahre üblich war, aber dennoch ist vor Ort Platz für bis zu 450 Gäste und wird zudem online übertragen. Aus dem neuen multimedialen iP-Zentrum wird das Programm in mehrere Übertragungsräume, ein Zelt sowie über die angebotenen Youtube-Livestreams nach zuhause übertragen. Die Links finden Sie auf unserer Extraseite.

Der bekannte Theologe und Journalist Johannes Gerloff, aus dem Nordscharzwald stammend, aber seit vielen Jahren in Israel lebend, wird in Maisenbach sein und von der aktuellen – wieder einmal ziemlich angespannten – Situation in Israel berichten, eingebettet in und ergänzt durch biblische Betrachtungen. Sein zweiter Vortrag im Nachmittagprogramm ab 13.30 Uhr ist überschrieben mit: »Unzertrennbar: Land und Volk Israel – Was bedeutet das für uns als Christen?«.

Aktuelles über unseren – seit über zwei Jahren durch Corona erschwerten – Dienst in Israel an Holocaust-Überlebenden berichten Schmuel Bayer, Leiter des Gästehauses in Shavei Zion, sowie Micha Bayer, Leiter des Altenpflegeheim in der nordisraelischen Stadt Maalot. Neben den Herausforderungen des laufenden Betriebs stellt der technische Leiter Gideon Bayer den geplanten Erweiterungsbau und die damit verbundene, im Mai beginnende Sanierung der koscheren Großküche dar.

Aus der Arbeit in der Heimatzentrale in Maisenbach werden Frank Clesle, David Berner und Alexander Cyris berichten, letzterer mit Schwerpunkt aus dem neuen IP-Zentrum, das inzwischen – und nun auch wiederum am 1. Mai – als Veranstaltungsraum mit allen heute nötigen digitalen Schnittstellen nach außen dient. Schulbesuche, Vorträge, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen: Die Möglichkeiten für (auch hybride) Veranstaltungen sind sehr vielfältig. IP steht für »Israelperspektive«, man möchte den Menschen eine neue Perspektive auf Israel und das jüdische Volk bieten.

Nach Maisenbach angereist sind auch Ada Waits und Alexander Shiber, die Kinder der Künstlerin und Holocaust-Überlebenden Ella Liebermann-Shiber. Aufgrund der Corona-Situation mussten sie ihren geplanten Besuch zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar verschieben, damals war Ada Waits dann per Digitalschaltung zu sehen und berichtete vom Vermächtnis ihrer Mutter, die das Vergangene gegenüber ihrer Familie verschwiegen habe, aber in ihren Zeichnungen Zeitzeugen-Dokumente hinterließ, die den Nachkommen der 1998 Verstorbenen später halfen, die Geschichte von Ella wie Puzzlestücke zusammenzufügen.

Ada Waits und Alexander Shiber in der Mitte, mit ihren Ehepartnern.

Aus grauen Linien habe die Künstlerin mit zitternden Händen »auf Papier die Hölle rekonstruiert«. Die Verfolgung als jüdische Familie, das Leben im Ghetto, die Deportation nach Auschwitz, Gaskammer, Krematorium und Todesmarsch – in eindrücklichen Darstellungen mit ebenso kurzen wie erschütternden Beschreibungen zeichnete Liebermann-Shiber die unbarmherzige Judenvernichtung der Nationalsozialisten nach. Die Zeichnungen sind im Januar als von Zedakah neu herausgegebener Bildband in deutscher Sprache erschienen. Mitherausgeber ist der evangelische Schuldekan Thorsten Trautwein, der vielfältiges Zusatzmaterial zusammengestellt hat und intensiv mit Ada Waits korrespondierte.

Waits ist es ein Anliegen zu zeigen, wie ihre Mutter und andere Überlebende es schafften, in Israel ein neues Leben aufzubauen und große Familien zu gründen. Sie fordert dazu auf, die Erinnerung zu bewahren und aus ihr zu lernen. Alle Menschen seien gleichwertig und dazu bestimmt, frei und in Frieden zu leben. Dies war ihr im Januar wichtig zu betonen und deshalb ist sie nun in Deutschland, um in Maisenbach und auch an einigen Schulen Zeugnis zu geben von den schrecklichen Ereignissen der Vergangenheit.

Ada Waits beim Bericht vor mehreren Schulklassen am Bildungszentrum in Wildberg.

Zedakah führt seit über 60 Jahren einen wertvollen Dienst praktischer Nächstenliebe an Holocaust-Überlebenden im Norden Israels aus. Zusammen mit Schuldekan Trautwein und dem gemeinnützigen Medienunternehmen »Morija« wurde 2016 das Projekt »Papierblatt« ins Leben gerufen, das Interviews und Vorträge mit Zeitzeugen als Videos festhält und online zusammen mit didaktischem Begleitmaterial zur Verfügung stellt. Neben dem Internetauftritt www.papierblatt.de sind mittlerweile vier Bücher in der »Edition Papierblatt« erschienen, darunter »Erinnerungen aus dunkler Vergangenheit«, der Bildband von Ella Liebermann-Shiber.

Wir laden herzlich ein zu einer Teilnahme vor Ort und bitten um Anmeldung unter der Telefonnummer 07084 92760.