Von Judith Rentschler
Mal wieder hat die Zählung von Kriegstagen begonnen: Sonntag, 1.3.2026 – Tag 2 des Krieges »Das Brüllen des Löwen«.
Wie geht es uns? Vielleicht lassen sich die vorherrschenden Gefühle mit »Anspannung und Erleichterung« beschreiben.
Anspannung – ausgelöst durch Raketenalarm und Abschussexplosionen.
Erleichterung – dass nach der wochenlangen Warterei und Ungewissheit der Angriff auf den Iran Klarheit verschafft.
Seit Januar hatten wir für jeden Plan einen Plan B. Jeder Flug eines Bauhelfers oder Mitarbeiters wurde gebucht und eingeplant, gedanklich aber immer mit Fragezeichen versehen. Noch am Tag vor Beginn der Bibelwoche Mitte Februar, als wir bereits alle Zimmer im Gästehaus in Shavei Zion für die Freizeit mit den Maaloter Mitarbeitern vorbereitet hatten, aktualisierten wir parallel den Zimmerbelegungsplan, falls spontan (im Fall eines Raketenalarms) unsere Nachbarn die Zimmer belegen würden. Jeden Abend legten wir unsere »Notfalltasche« an die Zimmertür, um mit einem Griff das Nötigste zur Stelle zu haben und wachten morgens erstaunt auf, weil die Nacht ruhig geblieben war.
Auch gestern Morgen erwachten wir mit diesem Gefühl. Allerdings änderte sich dies schlagartig, als wir uns zum Frühstück setzten und plötzlich Alarm auf unseren Handys ertönte. Schnell war klar – der Angriff auf den Iran hatte begonnen. Die Erfahrung der letzten beiden Jahre half uns, schnell die nächsten Schritte durchzudenken und entsprechend zu handeln: alle Mitarbeiter kontaktieren und die Situation erklären (eine Gruppe befand sich auf einer Wanderung zwischen Maalot und dem See Genezareth), Matratzen in die Schutzräume verteilen, Kontaktaufnahme mit der Notgruppe des Ortes und Aktualisierung der Zimmerbelegung.
Innerhalb kürzester Zeit waren die ersten Nachbarn hier und bezogen ihre Zimmer, andere meldeten sich an. Im Lauf des Shabbats hatten wir Gelegenheit, uns kennenzulernen, bzw. auf den neusten Stand zu bringen: »Long time no see – Herzlich Willkommen«.
Im Gegensatz zu der Bedrohung durch Raketen aus dem Libanon gibt es durch die längere Flugdauer für Raketen aus dem Iran eine Vorwarnung. Dadurch kann man sich ein bisschen auf den tatsächlichen Alarm vorbereiten. So ist es möglich, sich auch weitestgehend entspannt in Schutzraumnähe aufzuhalten und unser Garten wird bei schönstem Frühlingswetter ein attraktiver Aufenthaltsbereich für unsere 1,5- bis 85-jährigen »Gäste«. In aller Anspannung erleben wir tiefen inneren Frieden und hören, dass es auch den Schutzsuchenden so geht. Das ist uns ein großes Geschenk.
In den kommenden Tagen feiert das jüdische Volk das Purimfest, das an die verhinderte Vernichtung der persischen Juden vor ca. 2500 Jahren erinnert. Wie aktuell sind die Verse aus Ester 9,1 im Jahr 2026, in dem sich das jüdische Volk (Israel) wieder im Existenzkampf gegen Persien (Iran) befindet:
»Und im zwölften Monat, das ist der Monat Adar, am dreizehnten Tag desselben (Anmerkung: heute ist der 12. Adar im jüdischen Kalender!), … an eben dem Tag, da die Feinde der Juden gehofft hatten, sie zu überwältigen, es aber umgekehrt geschah, dass sie, die Juden, ihre Hasser überwältigen sollten …« – Ester 9,1
Vielen Dank für alle Gebete um Bewahrung und inneren Frieden für uns und unsere Gäste.

