78 Jahre Israel: Waffenruhe? Friede? – Schalom!

Von Timo Roller und Judith Rentschler

#schalom75 – am israelischen Unabhängigkeitstag 2023 standen wir kurz vor der Vollendung des Films, der zum 75. Jahrestag der Staatsgründung Israels in Deutschland Premiere hatte. Wir feierten nach »christlicher Zeitrechnung«, am 14. Mai 2023. Der Unabhängigkeitstag – Jom haAtzma’ut – nach jüdischer Zeitrechnung war bereits drei Wochen vorher, deshalb waren wir mit einem kleinen Team der Medienwerke Aseba und Morija nach Israel gereist und feierten bei und mit unseren Freunden von Zedakah.

Nach einer fröhlichen Jubiläumsfeier in Shavei Zion am Vorabend beobachteten wir dann eine Flugschau, die von einem Militärstützpunkt im Norden aus stattfand. Militär spielte eine wichtige Rolle im Land, das 1948 wenige Jahre nach dem Holocaust mit dem Bewusstsein gegründet worden war, dass Juden nie wieder wehrlos ihren Feinden ausgeliefert sein sollten.

»Schalom« ist Hebräisch und heißt bekanntlich »Frieden«. Jedoch in einem tieferen Sinne als nur: Abwesenheit von Krieg. Schalom ist eine Verbundenheit mit Gott, aber auch untereinander. Der Film zeigt ein friedliches, gesegnetes, fortschrittliches Israel – aber auch eine historische und biblische Perspektive, die tiefer blicken lässt: Menschliche Friedensbemühungen greifen zu kurz. Jeremia 6,14 kennt die Wahrheit: »›Friede! Friede!‹, und ist doch nicht Friede.«

Ein halbes Jahr nach dem 75. Unabhängigkeittag geschah der schreckliche Überfall der Hamas am 7. Oktober 2023. Seither befindet sich Israel die meiste Zeit im Krieg. Der Militärapparat und die Abwehrsysteme sind fast pausenlos im Einsatz. Gegen die Hamas, die Hisbollah, den Iran und weitere feindliche Gruppen.

Und eine weitere Front hat sich aufgetan: die Feindschaft der Welt gegenüber dem jüdischen Staat, die neu aufgelodert ist und erschreckende Ausmaße angenommen hat. Ein tiefgreifender Hass kommt auf den Straßen, an Schulen und Universitäten, in Medien und Parlamenten zum Ausdruck. Das angegriffene Israel ist zum Sündenbock geworden für das Leid im Gazastreifen, im Libanon, im Iran und irgendwie auf der ganzen Welt. Juden spüren eine große Unsicherheit, Islam, Politik und Kultur wetteifern im Antisemitismus.

Nun feiert Israel seinen 78. Geburtstag. Es herrscht Waffenruhe mit dem Iran und mit der Hisbollah. Aber mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es nur die Ruhe vor einem neuen Sturm. Und doch ist in Israel ein Phänomen zu beobachten, dass aus der German-Angst-Perspektive nur schwer zu verstehen ist:

Man feiert die Unabhängigkeit, nachdem man am Tag zuvor um die gefallenen Soldaten getrauert hat und noch vor einer Woche im Schutzraum saß. »Heute mit Tränen, morgen mit Freude« – so schrieben Nelli und Gideon Bayer, die an einem »schweren und gesegneten Tag« ergriffen waren von den vielen Menschen, die auf dem Friedhof von Maalot um Urija und die anderen gefallenen Soldaten getrauert haben. Am Strand von Shavei Zion gedachte man unseres Nachbarn, der direkt am 7. Oktober 2023 gestorben war.

Walter Bingham, der als Zeitzeuge im Januar in Deutschland gewesen war, tanzte am Abend zu Jom haAtzma’ut ausgelassen, obwohl auch er vermutet, dass wahrscheinlich bald wieder Raketen fliegen werden. Der 102-Jährige hofft auf bessere Zeiten!

Die Bezirksverwaltung am Gazastreifen schickte einen LKW voller Blumensträuße als Zeichen der Solidarität in den Norden und schrieb: »Gerade in solchen Zeiten wird die tiefe Bedeutung von Unabhängigkeit deutlich, ein freies Volk im eigenen Land zu sein, auch wenn der Himmel sich verdunkelt.«

Im Jubiläums-Logo eines israelischen Fernsehsenders ist die Zahl 78 mit der israelischen Flagge umschwungen sowie dem Schriftzug: »nicht selbstverständlich«. Neben der Freude kommt Dankbarkeit zum Ausdruck!

Während Israel 78 Jahre nach seiner Gründung um seine Existenz kämpft und froh ist über das kleine Stück Land, das gegen Feinde in der Nachbarschaft verteidigt und vor Israel-Hassern in aller Welt rechtfertigt werden muss, bangt man in Deutschland darum, dass die Spritpreise wieder steigen, und um einen Wal der in der Ostsee auf Sandbänken gestrandet ist. Während man zuhause nicht imstande ist, Probleme im eigenen Land zu lösen, ermahnt man die Partner mit moralischem Zeigefinger, doch mit islamistischen Staaten und Terrorgruppen diplomatische Lösungen zu suchen und sich ans Völkerrecht zu halten.

»›Friede! Friede!‹, und ist doch nicht Friede.« – der äußere Friede scheint in unserer Zeit sehr fern zu sein. Umso wichtiger scheint es, den persönlichen Schalom mit Gott zu suchen. Auf dieser Suche können wir uns als Deutsche und als Christen dem Volk Israel in vielerlei Hinsicht nacheifern. Übrigens: Im Film #schalom75 wurde erwähnt, dass Israel zu den Top Ten der glücklichsten Ländern der Welt zählt. Inzwischen ist das Land nach drei Jahren Krieg von Platz 4 auf Platz 8 gefallen. Deutschland dagegen befindet sich auf Platz 17!

Der 75-minütige Film #schalom75 kann auf YouTube angeschaut werden.

Die Veranstaltungen mit Walter Bingham gibt es auf www.papierblatt.de.