
Von Timo Roller
Um die 1000 Israelfreunde versammelten sich – wie jedes Jahr – am 1. Mai in unserem großen Zelt in Maisenbach. Da Antisemitismus und Israelhass in den letzten Jahren stark angewachsen sind und die Kritik am israelischen Handeln im Nahen Osten auch von eher gemäßigten Akteuren immer lauter wurde, wecken solche Zeichen der Solidarität die Aufmerksamkeit bis in die höchsten Kreise des Staates Israel. Und so sprach der israelische Staatspräsident Jizchak Herzog persönlich ein Video-Grußwort zu unserer großen Versammlung im Zelt.
Zedakah habe mit dem Dienst an Holocaust-Überlebenden eine wichtige Wahrheit erkannt: »Wir können nicht den Schmerz wegwischen, aber wir können Beziehungen reparieren, wenn wir miteinander unterwegs sind.« Das Werk habe nicht nur viele einzelne Leben berührt, »sondern auch neue Kapitel geschrieben für das Verhältnis zwischen Christen und Juden«.
Herzog erwähnte das Schicksal von Urija Bayer, der im Kampf gegen die Hamas im Dezember 2023 ums Leben kam. Sein Großvater Hans Bayer habe sich in den 70er-Jahren gegenüber der deutschen Vergangenheit nicht passiv verhalten wollen, er war mit seiner Familie nach Israel gezogen, »fest entschlossen, dem Falschen etwas Richtiges entgegenzusetzen«.
Der Präsident wünschte den Israelfreunden »Schalom und reichen Segen« und sprach die Hoffnung aus, sie im Heiligen Land wiedersehen zu können.
Einen Einblick in die Gemütslage der Menschen in Israel gab die Journalistin Merle Hofer aus Jerusalem. »Die Israelis sind alle traumatisiert«, Raketenalarm und Bunkeraufenthalte seien seit über zwei Jahren beinahe Alltag. Auch Hofer selbst zeigte sich erfreut, in Deutschland mit ausgeschaltetem Handy beruhigt durchschlafen zu können. Rein zahlenmäßig seien die Gegner Israels in der Übermacht, in der direkten Nachbarschaft, aber auch weltweit. »Israel greift an, um sich zu verteidigen«, betonte sie. Genau genommen werde im Nahen Osten die freie Welt gegen den Dschihadismus verteidigt.
Sie spielte ein weiteres Videogrußwort ein: Der 102-jährige Holocaust-Überlebende Walter Bingham, der im Januar in Karlsruhe und im Schwarzwald zu Gast war, um von seinem Schicksal zu erzählen, schickte herzliche Grüße nach Maisenbach. Im Blick auf die Situation in Israel zeigte er mit dem Finger nach oben und bekannte: »Wir haben den besten General der Welt!«.
Unser erster Vorsitzender Martin Meyer und weitere Verantwortliche aus Deutschland und Israel erzählten von den vielfältigen Aufgaben und Vorhaben von Zedakah: Der Spatenstich zum Erweiterungsbau in Maalot musste zwar verschoben werden und die Bewohner des Altenpflegeheims wurden wieder einmal für einige Wochen in das Bunkerstockwerk evakuiert – dennoch sind inzwischen die Vorbereitungsarbeiten gestartet. Die beiden Projektleiter Ilan Dunsky und Shmuel Ulmer waren aus dem Norden Israels angereist, um sich den Interviewfragen von Frank Clesle vor dem interessierten Publikum zu stellen. In einer Ecke des Zeltes konnten außerdem die Baupläne in Augenschein genommen werden. Ulmer betonte: »Gott hat die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt geschenkt.« Dunsky fügte hinzu: »Es fehlt noch an Budget.« – Wir sind dennoch zuversichtlich und hoffen auf weitere Spenden.
In Shavei Zion, wo bis zur Corona-Pandemie Holocaust-Überlebende einen kostenlosen Urlaub verbringen konnten, ist auch nach all den Jahren der Kriege und Krisen keine Normalität eingekehrt. Neben einigen Renovierungsmaßnahmen nimmt man dennoch den Auftrag von Zedakah, das Volk Israel zu trösten, in vielfältiger Weise ernst: Nachbarn finden Schutz im »besten Bunker des Ortes«, Kindergärten, Schulklassen und Seniorengruppen können sich in sicherer Nähe zu Schutzräumen versammeln – und sogar große jüdische Feste und Gedenkveranstaltungen konnten in den Räumlichkeiten des Gästehauses gefeiert werden.
In Deutschland ist das Gästehaus Bethel in Maisenbach immer gut belegt, das iP-Zentrum bietet vielfältige Angebote zum Kennenlernen Israels und des Judentums für unterschiedliche Zielgruppen, und vor kurzem wurde die Baugenehmigung für den geplanten »Israelpark« erteilt.
Frank Clesle konnte neue Volontäre vorstellen, die nach Israel ausgesendet werden, zwar fehlen einige weitere Leute, doch dennoch schaue man dankbar auf die Situation. Nach dem 7. Oktober 2023 ist die Zahl der Organisationen, die Freiwillige nach Israel entsenden, von zwanzig auf eine einzige zurückgegangen: Zedakah.
Einen geistlichen Impuls gab Klaus Eberwein vom evangelischen Gemeindeverband »Christusbund e. V.«: Er verglich das Schicksal des heutigen Volkes Israel mit dem biblischen Erzvater Jakob: Dieser habe (nach Genesis 32) mit Gott gerungen und von ihm hinterher den Namen »Israel« bekommen. Eine der Bedeutungslinien sei: »Gott ringt um sein Volk«. Aus biblischer Sicht sei Israel einerseits »umkämpft vom Hass der Welt«, andererseits aber auch »umkämpft von Gottes Liebe«.
Und so ergänzten sich die Nachrichten aus Israel und die Botschaften der Bibel zum Motto des Tages: »Israel umkämpft«. Doch vor Ort sah es glücklicherweise ganz anders aus: harmonisch, friedlich und sonnig.
Wir freuen uns, dass der Schwarzwälder Bote und Idea sowie auch Idea TV inzwischen über unser Israel-Freundestreffen berichtet haben.

