Raketenbeschuss mit schmerzhaften Erinnerungen

eingetragen in: Israel, Meldungen, Mitarbeiterberichte

Von Nelli Bayer

Schon vier Wochen (er-)leben wir im Ausnahmezustand des Krieges. Wir haben unter dem konstanten Raketenbeschuss aus dem Libanon und dem Iran zu leben, zu arbeiten und zu schlafen – wenn möglich. Das weckt viele schmerzliche Erinnerungen in uns. Wir durchleben die Tage wieder, in denen wir unseren Sohn Urija im Krieg verloren haben.

Diese Wochen sind gefüllt mit Ereignissen, die die Erinnerungen immer wieder wach werden lassen. In unserem Nachbarort wird gerade für einen 20-Jährigen, der vor wenigen Tagen im Libanon gefallen ist, die Trauerwoche gehalten. Wir gehen auch hin.

Auf dem Soldatenfriedhof Herzlberg in Jerusalem begehen Freunde von uns schon den zweiten Jahrestag ihres gefallenen Sohnes. Da können wir diesmal nicht mit dazukommen, denn unser Jüngster wird 20 und kommt zwei Tage vor seinem Geburtstag für kurze Zeit aus dem Militärdienst nach Hause. Deshalb laden wir die erwähnte Familie zu uns ein, um unserem Sohn und den Freunden – so gut es geht – Aufmerksamkeit zu schenken.

Auch wurden wir angefragt, ob wir zum Soldatengedenktag am 21. April ein Interview geben könnten – über Urija und das Werk Zedakah.

All das geschieht zwischen den Vorwarnungen und Sirenen, Detonationen und Abschüssen am Himmel; zwischen der Flucht in die Schutzräume und wieder zurück zu dem, mit dem man gerade beschäftigt war.

Auf einmal steht an der Tür ein Mann, der uns ein Geschenk überreicht von einer Organisation für Familien gefallener Soldaten. Im kurzen Gespräch erfahren wir, dass auch seine Tochter im Militär ist und er aus meiner Geburtsstadt in Kasachstan kommt. Dann heult schon wieder die Sirene. Wir nehmen den Mann mit in unseren Bunker.

Kürzlich kamen Soldaten mit einem Geschenk der »Maglan«-Einheit vorbei. Ihr Offizier war Urijas Freund. Wir hatten gute Gespräche mit ihnen. Sie waren von der Arbeit von Zedakah sehr angetan, besonders als wir sie mit in den Bunker zu unseren Heimbewohnern nahmen.

Immer wieder bekommen wir auch Besuch von Kindern, die sich an meinem Kleintierzoo erfreuen und in unserem Garten spielen, weil sie bei Gefahr in unserem Bunker sicher sind. Es bleibt schließlich nur sehr wenig Zeit, um bei Alarm die Schutzräume aufzusuchen.
Drei unserer Kinder sind wieder im Einsatz beim Militär – und ich bin eine der israelischen Mütter, die das Gleiche durchleben und doch voller Zuversicht im Gebet für ihre Kinder stehen! Und die die Hoffnung nicht aufgeben, dass eines Tages alle Kinder wieder in fröhlicher Runde am Schabbattisch sitzen werden – auch wenn schon eines fehlt – und der Vater den Schabbat-Psalm liest.

Hinweis des Vorstandes von Zedakah e.V.:

Seit über zwei Jahren trauern unsere Mitarbeiter Gideon und Nelli Bayer um ihren im Gazakrieg gefallenen Sohn Urija. Und auch wir Mitarbeiter von Zedakah trauern und tragen mit ihnen. Urija war Teil der großen Zedakah-Familie. Um die Zeit der Trauer besser bewältigen zu können, war es u.a. auch nötig, für Gideon und Nelli zeitliche Freiräume zu schaffen. Inzwischen sind sie mit Vorträgen und Zeugnissen unter ebenfalls betroffenen Familien in Israel tätig – zusätzlich zu einem reduzierten Dienst im Pflegeheim Beth Elieser in Maalot.

Aber auch in Deutschland waren und sind sie öfters unterwegs. Nelli hat bereits in etlichen Gemeinden aus ihrem Erleben und der Treue Gottes berichtet.

Aufgrund persönlicher und spendentechnischer Gründe sind wir in diesem Zusammenhang auf ihren ausdrücklichen Wunsch eingegangen, dass sie diese Vortragstätigkeiten im deutschsprachigen Raum in eigenständiger Verantwortung planen und durchführen. Das bedeutet, dass sie diese Tätigkeit NICHT im Auftrag von Zedakah durchführen, auch wenn die persönliche Verbindung zu unserem Werk erhalten bleibt.

Auch alle finanziellen Unterstützungen, die sie anlässlich dieser Vorträge erhalten, gehen NICHT an das Werk Zedakah, sondern werden von ihnen persönlich verantwortet. Wir wünschen ihnen beiden Gottes reichen Segen für diesen Zeugnisdienst. Und wir beten, dass Gott ihr Zeugnis besonders unter betroffenen Familien in Israel zu einem lebendigen Hinweis auf den wahren Trost Israels in unserem Herrn Jesus Christus gebrauchen möge.