Von Judith Rentschler

»Ist mir egal, ob du deine Zähne geputzt hast, gleich beginnt dein Zoom. Ich melde dich an. Die Lehrerin wartet schon!« – »Will nicht … kann nicht … waruuuuum?« – »Wie willst du lesen lernen?«
»Wo ist mein Kleiner? – Der darf nicht allein raus.« – »O nein – nicht schon wieder ne Drohne in unsere Richtung. Kinder! Bleibt im Haus.«
»Warum ist der Hund schon wieder im Speisesaal?« – »Leg mal dein Handy weg.«
»Heute Abend machen wir Pancakes – versprochen!« – »Bitte seid mal eine halbe Stunde ruhig. Ich bin eigentlich im Homeoffice und habe ein wichtiges Gespräch.«
»Nein, Papa kommt heute nicht. Noch zweimal schlafen. Dann hat er Pause vom Reservedienst.«
»Alaaaaaaarm … schnell!!! Alle in den Schutzraum! – Sind alle da?«
»Tür zu – es gab noch keine Entwarnung!«
»Ich fahre kurz heim und befülle die Waschmaschine. Bin gleich wieder da. Soll ich was vom Laden mitbringen?« – »Puuuuh – ich bin sooooo müde!«

So einige der Gesprächsfetzen, die ich an meinem Platz im Not-Büro höre. Im Juni 2025 war an Tag 12 der Iran-Krieg zu Ende. Wie lange es dieses Mal geht? Der nationale Ausnahmezustand wurde bis zum 14. März verlängert, d.h. nach wie vor kein Kindergarten, keine Schule, keine Routine, keine Struktur.
Und dann? Flüge werden weiter storniert – wir sind mal wieder im Langstreckenlauf unterwegs. Nach der anfänglichen Aufregung macht sich Müdigkeit breit; die Nerven liegen blank. Die unruhigen Nächte, das Zusammenleben verschiedenster Personen auf relativ engem Raum, all das fordert Ausdauer und Geduld.
Und trotzdem ist es gut, in so einer Situation nicht allein zu sein. Die Gemeinschaft stärkt und ermutigt. Zusammen lachen, zusammen weinen. Gemeinsam die Kinder bei Laune halten.
Gemeinsam kochen, gemeinsam essen – das verbindet und die Beziehungen vertiefen sich. Um »weiter laufen« zu können, ist es wichtig, eigene Grenzen zu erkennen, zu akzeptieren und immer wieder auch bewusst persönliche »Ruhe-Inseln« zu schaffen, in denen wir auftanken können, um neu gestärkt zu werden. Wesentlich sind dabei das Gebet und Stille vor Gott. Das bleibt auch unseren Gästen nicht verborgen.
Vielen Dank für eure Gebetsunterstützung in diesen herausfordernden Tagen.

