
Auch wenn der Spatenstich für den Neubau verschoben werden musste, arbeiten unsere Bauhelfer mit vereinten Kräften an der Sanierung der Pflegestation. Trotz Raketenalarms und Nächten im Schutzraum machen die Arbeiten auf der Baustelle deutliche Fortschritte. Wir sind sehr dankbar für den Einsatz dieser fleißigen Männer und ihre Bereitschaft, uns trotz der angespannten Lage ganz praktisch zu unterstützen. Stellvertretend hier zwei Stimmen zur aktuellen Situation:
Tobias Bauder:
Als gelernter Maurer bin ich das Arbeiten auf der Baustelle in Deutschland gewohnt. Aber hier ist es doch etwas anders. Während wir normalerweise im Februar mit Mütze und dicker Arbeitsjacke zur Arbeit gehen, konnte hier teilweise bei strahlendem Sonnenschein im T-Shirt gearbeitet werden.
Im momentanen Kriegszustand ist das aber nicht alles, was anders ist: Nach Kriegsbeginn machten wir zwar mit den (Abbruch-)Arbeiten weiter, aber ab und zu wird aufgrund eines Alarms per Handy oder Sirene eine zusätzliche Pause »angeordnet«. Wenn es einen Raketen- oder Drohnenangriff gibt, unterbrechen wir die Arbeit und begeben uns entweder in einen geschützten Bereich auf der Arbeitsetage oder nach unten in den Pflegebunker.
Hier hören wir es dann von draußen oft knallen und warten die Entwarnung per Smartphone ab. Danach geht es auf der Baustelle ganz normal weiter – bis zum nächsten Alarm oder Voralarm.
Dankbar bin ich, dass uns Bauleiter in dieser doch etwas angespannten Situation die Sachen ruhig angeht. Diese Ruhe ist ansteckend. Schön ist auch die Gemeinschaft, die wir mit den anderen freundlichen Mitarbeitern und Volontären hier haben dürfen. Aktuell sind wir ein Team aus fünf Personen. Unterstützt werden wir von einem netten externen Mitarbeiter aus Tiberias, der oft vorbeikommt und uns schon manche gute Dienste erwiesen hat.
Wir haben angefangen, uns vor der Arbeit hinzusetzen, über die geplanten Aufgaben zu reden und gemeinsam zu beten. Durch Gottes Bewahrung wurden wir bis zum heutigen Tag sowohl vor Raketeneinschlägen und Drohnenbeschuss als auch vor so manchem Arbeitsunfall verschont. IHM, dem allmächtigen Herrn, sei Dank!
Jürgen Gutschmidt:
Gerade werden intern Telefonate geführt und eine aktuelle Einschätzung der Gefährdungslage durch die Zivilschutzbehörde weitergegeben, da heulen schon die Sirenen. Nicht Angst steht im Vordergrund, eher Respekt vor der Situation. Angst konnte meine Frau und mich nicht davon abhalten, vor einigen Wochen in das Land der Superlative einzureisen.
»Gott sei Dank« ist hier nicht nur eine Floskel – ich meine nicht nur Dank für die IDF, sondern Dank dem, der Alles geschaffen hat. Wenn ich manchmal in den Himmel schaue und bemerke, dass die Alarme unsere Orte ausschließen, denke ich über Shavei Zion und Maalot nach und frage mich, ob es hier Flugverbot gibt …
Da sind da noch die Gedanken über die Lieben zu Hause und in der Welt. Denke ich über Jerusalem nach, sehe ich die schützenden Hände Gottes. Wann erkennt die Welt, dass dieses Land unbesiegbar ist? Selbst nach dieser langen Zeit schreibt Gott mit Israel Geschichte.
Wir lernen täglich Gemeinschaft. Wir sind dankbar, dass wir hier sein dürfen. Vielen Dank für alle Gebete um Bewahrung vor Unfällen und für das Gelingen des Sanierungsprojektes.

