An die Schrecken der Vergangenheit erinnern – und für die Gegenwart lernen

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Die Tagung zum Holocaust-Gedenktag am 26. und 27. Januar mit dem Titel »75 Jahre nach Auschwitz – Der Glaube an Gott im Angesicht des Schreckens« war eine bewegende und lehrreiche Veranstaltung. Zu den Vorträgen im Jerusalem-Saal in Maisenbach und zur Talkrunde am Sonntagabend konnten wir etwa 60 Teilnehmer begrüßen. Unsere Exkursion nach Pforzheim auf den Spuren jüdischen Lebens konnten wir mit einem vollbesetzten Bus durchführen – und zum Zeitzeugenbericht von Ruth Michel am Montag kamen fast 400 Besucher in den Spiegelsaal nach Bad Liebenzell. Der Schwarzwälder Bote hat ausführlich darüber berichtet.

Am Dienstagvormittag erzählte Ruth Michel im Bildungszentrum Wildberg vor 80 Zehntklässlern aus ihrem Leben. Dort war auch ein Team vom Fernsehsender Regio-TV dabei, die noch am Abend einen Bericht ausstrahlten.

Prof. Dr. Boschki erzählte von seinen Begegnungen mit dem Holocaust-Überlebenden und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel – und von dessen Erlebnissen, seinem umfangreichen literarischen Werk sowie seinem tiefschürfenden Ringen mit Gott.
Christin Zühlke von der TU Berlin hat sich intensiv mit dem »Sonderkommando« beschäftigt, Häftlingen, die gezwungen waren, die ermordeten Menschen aus den Gaskammern zu schaffen und zu verbrennen. Schriftliche Quellen belegen, dass Juden auch im Angesicht des Todes ihren Halt im Glauben suchten.
Rami Suliman, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden, Zeitzeugin Ruth Michel, Prof. Boschki, Christin Zühlke und Schuldekan Thorsten Trautwein unterhielten sich unter anderem über die Lehren aus dem Holocaust und die Herausforderungen des jüdischen Lebens heute in Deutschland.
Eine Exkursion nach Pforzheim unter der Leitung des Denkmalpflegers Dr. Christoph Timm rundete die Tagung ab. Höhepunkt war der Besuch der Synagoge sowie Erklärungen und der aaronitische Segen durch Rabbi Jaakov Bar-Lev.
Ruth Michel überlebte als Halbjüdin auf der Flucht. Ihr Vater wurde hingerichtet und in einem Massengrab in der heutigen Ukraine verscharrt. Die 91-Jährige sieht ihre Verpflichtung darin, den Ermordeten eine Stimme zu geben.
Fast 400 Besucher hatten sich im Kurhaus eingefunden.
Die Mitwirkenden des Abends (v.l.n.r.): Bürgermeister Dietmar Fischer, Sängerin Annika Moor sowie ihr Lehrer und Pianist Marcus Degelmann, Dr. Dorothea Kliche-Behnke, stellv. Landesvorsitzende der SPD, Ruth Michel, Schuldekan Thorsten Trautwein, Zedakah-Geschäftsführer Frank Clesle, Timo Roller (Morija) sowie Martin Meyer, der Vorsitzende von Zedakah.
Ruth Michel zeigt den Schülern des Bildungszentrum Wildberg Bilder von ihrer Reise in die Ukraine, wo sie sich für die Erhaltung und Pflege des Massengrabs, in dem ihr Vater liegt, einsetzt.
Ein Reporter von Regio-TV befragt Schülerinnen nach dem Zeitzeugenbericht.