Gesammelt von Judith Rentschler
Die Eindrücke des letzten Irankriegs waren noch ganz frisch, als ich im Juli 2025 zum Vorbereitungsseminar für neue Volontäre nach Deutschland geflogen war. Ich hatte gehofft, dass die Erzählungen vom Kriegsalltag in Israel nicht auch für diese Gruppe Realität werden würden. Es kam anders. Aber Gott sei Dank gibt es (junge) Menschen in Deutschland, die bereit sind, ihre Komfortzone zu verlassen und Gottes Ruf in eine ungewisse Zukunft folgen. Hier ein paar Stimmen aus dem aktuellen Jahrgang:
Jonathan: Mein Alltag geht normal weiter, außer dass ich hin und wieder, wenn ein Alarm kommt, in den Bunker gehen muss. Das sind dann aber meistens nur 10 Minuten.
Das Beste ist, dass wir zu dritt als Jungs im Heimbewohnerbunker schlafen. Drei Betten hintereinander, ringsum mit Stoffdecken versehen (wie früher als Kind, wo man sich solche coolen Höhlen gebaut hat) und schön kuschelig gestaltet. Zwar sind die Nebengeräusche (durch die Heimbewohner) neu, aber ich habe mich daran gewöhnt. Ich lerne mehr von der Pflege kennen und – hey! – wer kann von sich behaupten, dass er mal mit Ü80-Leuten in einer Art WG zusammengewohnt hat?

Lena: Dass es zu einem Krieg zwischen Israel und dem Iran kommen würde, war eigentlich sicher, aber nicht, wann es passieren würde. So kam der Alarm für mich am Samstag sehr überraschend. Gott sei Dank war ich genau zu dieser Zeit nicht alleine in der Küche, was sonst am Schabbatmorgen normalerweise der Fall ist. Das war einfach Gottes Gnade.
Kurz nach dem Alarm erfolgte der Umzug mit dem Frühstück und der Küche ein paar Stockwerke tiefer.
Ich bin sehr dankbar, dass ich die ersten zwei Monate meiner Zeit hier in Israel in der Bunkerküche gearbeitet habe. Das war zwar ohne Heimbewohner, aber trotzdem hilft mir diese Erfahrung jetzt. Die wieder neuen Arbeitswege, die kleinere Küche und die Station, die auch unten ist, stellen für mich Herausforderungen dar. Aber Gott sei Dank gewöhne ich mich immer mehr an das neue Arbeitsumfeld. Auf der anderen Seite ist es auch schön, mehr vom Stationsalltag mitzubekommen und in nächster Nähe mit den anderen zu arbeiten.
Trotz der Alarme und Unterbrechungen der Arbeit konnten wir unsere Aufgaben bisher erledigen und es hat, wenn auch etwas verspätet, zeitlich doch gepasst. Der Herr ist einfach treu und hilft uns durch.
Die Alarme und die Aufenthalte im Bunker rauben mehr Energie und Kraft, als ich gedacht habe. Die ständige Anspannung, nicht zu wissen, wann der nächste Alarm kommt und was ich bis dahin noch machen kann und was eher nicht, versetzt mich in das Gefühl ständiger Alarmbereitschaft. Ich bin dankbar für die Bunker, die wir haben, und dass wir dort auch schlafen können. So kommen wir nachts zur Ruhe und können uns erholen.
Es ist eine ganz neue Situation und Erfahrung für mich, die ich so nicht kenne und diese Zeit geht nicht spurlos an mir vorüber, aber der Herr trägt durch und uns darf es trotz der äußeren Umstände wirklich gut gehen. Kurz vor dem Krieg, als es schon angespannt war, gab es einen Abend, an dem ich wirklich Angst bekommen habe. Ich habe an diesem Abend Psalm 31 gelesen und dieser Psalm hat perfekt in meine Situation gepasst. Das hat mich so ermutigt. Auch wenn ich Angst habe, darf ich wissen, der Herr ist meine Schutzmauer und meine Zeit steht in seinen Händen. Deshalb darf ich stark und mutig sein und auf den Herrn vertrauen.

Hannah (Volontärin aus Maalot), die zurzeit mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Shavei Zion wohnt. Die Familie wurde während ihres Urlaubs vom Krieg überrascht und wartet jetzt auf eine Möglichkeit zur Ausreise nach Deutschland:
Außerhalb des Krieges hat man oft die Vorstellung, dass Leute in Kriegsgebieten den ganzen Tag voller Angst im Bunker sitzen. Deshalb ist das Leben hier so paradox, weil es sich gar nicht wie Krieg anfühlt. Wir haben ein ganz normales Leben hier: Man arbeitet, isst im Speisesaal, schläft im Bett, genießt die Sonne im Garten – aber sobald Alarm ist, rennt man schnell in den Schutzraum. Dadurch wird man sensibel für jedes Geräusch – um allezeit bereit zu sein.
Dafür ist es umso schöner, dass Verse wie Psalm 108,13f plötzlich lebendig und gleichzeitig abends trostspendend für die darauffolgende Nacht werden: »Schaffe uns Beistand vor dem Feind, denn Menschenhilfe ist nichts nütze. Mit Gott werden wir Taten tun. ER wird unsere Feinde niedertreten.«

Luisa: Wir spüren deutlich die Gebete von vielen Menschen in Deutschland, die an uns denken. Einmal mehr wird mir in dieser Zeit bewusst: Gott hat alles in seiner Hand. Daran möchte ich festhalten. Viele Dinge, die vorher selbstverständlich waren, rufen nun eine tiefe Dankbarkeit hervor. Trotz der anhaltenden Anspannung im Alltag erleben wir viel Freude und genießen eine engere Gemeinschaft als zuvor. Ein besonderes Erlebnis, an das ich mich immer gerne erinnern werde, war die Purim-Feier mit einer Back-Aktion, welche während eines Alarms im Bunker fortgeführt wurde, das Lesen der Esther-Rolle und einem Kostümwettbewerb.
Wir erleben: Gott ist gut!
David: Oft wurde ich in den letzten Tagen gefragt: Wie geht es dir? Und jedes Mal durfte ich von Herzen antworten »gut«, was wirklich ein Geschenk ist. Auch wenn es mit der aktuellen Situation viele Gebetsanliegen gibt, z. B. für die Heimbewohner, für die vielen eingezogenen Reservisten, Schutz … Es gibt mindestens genauso viele Gründe zu danken: So war es für uns Stationsleute eine prima Vorbereitung zur Zeit des großen Baulärms Anfang Februar schon eine halbe Woche im Bunker gearbeitet zu haben.
Außerdem sind wir nicht alleine: Wir haben den Schöpfer des Universums auf unserer Seite und eine geniale Mitarbeiterschaft, fast wie eine große Familie. Es klingt vielleicht komisch, aber in manchen Dingen eröffnet die Bunkersituation Chancen: Wir spielen mehr Brettspiele und ich habe das Zedakah-Gelände mit seinen vielen Blumen gerade ganz neu kennengelernt. Dann konnten wir trotz Krieg Purim feiern, haben gutes Essen, einen Bunker zum Schlafen und so vieles mehr…
Während einer Wüstentour letzte Woche ist mir Psalm 27 wichtig geworden, der für die Situation jetzt gut passt: »Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht; wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn. (…) Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit.«
Danke für alle Gebete!

Nesia und Mirjam, die ihr Volontärsjahr um ein weiteres Jahr verlängert haben: Vor knapp einer Woche endete unsere dreitägige Wandertour zum See Genezareth plötzlich mit einem Alarm. Eine Stunde danach waren wir wieder in Maalot. Dort war die Evakuierung der Heimbewohner schon beendet. Beim verspäteten Frühstück bekamen wir die ersten Informationen und wie wir uns bei Alarmen verhalten müssen. Kaum hatten wir geduscht, saßen wir über zwei Stunden im Bunker.
Im Vergleich zum letzten Irankrieg im Juni 2025 fällt es uns diesmal schwerer, die Situation zu akzeptieren. Vielleicht weil deswegen schon wieder ein Urlaub ins Wasser fällt oder weil wir wissen, was uns alles erwarten könnte.
Zur besseren Vorstellung ein möglicher Tagesablauf von uns:
Wir wachen im Bunker auf und dürfen uns in unserem Zimmer für den Tag ready machen. Kaum schlagen wir die Bibeln auf, ruft uns die Alarmapp zurück in den Bunker. Wir schnappen unsere Bibeln und lesen dort weiter, während draußen die Sirenen heulen.
Auch während der Arbeit füllt sich aufgrund der Alarme der Pflegebunker oft mit Bauhelfern und anderen Mitarbeitern, was zu zusätzlichen Herausforderungen führt. Um die Privatsphäre der Heimbewohner zu schützen, wird manchmal kreativ ein »WC-Hüsli« gebaut.
Auch nach Feierabend kommt man nur schwer zur Ruhe, weil man zum Beispiel wegen einer Sirene ins Badezimmer rennen muss. Im Gegensatz zu einem Angriff vom Iran, der durch einen Voralarm angekündigt wird, müssen wir uns bei Raketenalarm aus dem Libanon sofort in einen sicheren Bereich begeben (z.B. Badezimmer).
Da wir an unser Gelände gebunden sind, haben wir viel Gemeinschaft untereinander. Dadurch stärken wir uns gegenseitig und wachsen mehr zusammen. Gut, dass Gott auch diese Zeiten in seinen Händen hält und wir uns von ihm getragen wissen dürfen.
»Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir! Habe keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich stärke dich, ja, ich helfe dir, ich halte dich mit der Rechten meiner Gerechtigkeit.« Jesaja 41,10
Danke für alle Gebete.
Rita: Wenn ich in den Medien lese, dass die meisten Verletzungen auf dem Weg zum Bunker passieren oder dass Menschen sogar Panikattacken erleiden, so muss ich feststellen: wie anders ist es doch in meinem Umfeld!
Der Friede in den Herzen, den wir von Gott bekommen haben, ist ganz praktisch auch im Verhalten meiner Mitmenschen sichtbar. Alles läuft ruhig und geordnet ab.
Es gibt viele Einschränkungen – das ist logisch. Aber der Bunker ist so durchdacht und liebevoll eingerichtet! Es erleichtert den Aufenthalt hier enorm.
Das gilt auch für die Station: wir profitieren von der Erfahrung unserer Vorgesetzten.
Simone: Es ist schwierig, mit Worten zu beschreiben, wie es mir mit der Situation geht. Ich denke, wenn es vorbei ist, dann werde ich es mehr realisieren. Was mir viel Sicherheit gegeben hat, ist in welcher Windeseile jeder Bereich sich auf die Situation umgestellt hat und dass die Langzeitmitarbeiter solche Situationen kennen (auch wenn ich wünschte, sie hätten so etwas nie erfahren).
Mittlerweile sind die Alarme viel weniger geworden und man kann sich auch länger im Freien aufhalten. In der Nacht wache ich oft auf und weiß meist gar nicht wieso. Ich bin nicht ängstlich. Im Gegenteil, ich vertraue darauf, dass Gott uns behütet und bewahrt. Gedanklich bin ich tatsächlich mehr mit der Einarbeitung beschäftigt als mit dem Krieg.
Ich bin ausgenommen von einem der Bauhelfer als letztes hierhin gekommen. Ich bin gerade mal zweieinhalb Wochen hier. Die Menge an Umstellungen macht schon müde, daher schlafe ich auch viel tagsüber in den Pausen. Ich bin Gott dankbar, dass er uns nicht alleine lässt und mit uns geht. Ihn an meiner Seite zu wissen, ist alles für mich!
Naemi: Eilat, Samstag, 8:10 Uhr – »Stell dir vor, jetzt würde ein Alarm losgehen…«, scherzt mein Bruder, der gerade Porridge mit Milch in der Mikrowelle aufwärmt und haargenau darauf achtet, dass sie nicht überkocht.
Kurze Zeit später setzt er sich an den Küchentisch. Gerade als er das Schälchen abstellt, klingeln unsere Handys. Sicherheitshinweis: Schutzräume ausfindig machen. Bereit halten.
Wir rennen 10 Stockwerke nach unten in die Tiefgarage. Israel greift den Iran an.
Mein Bruder, mein Onkel und ich sind zusammen in Eilat, am 1. März wollen wir wieder jeder in sein Haus zurückkehren. Diese Pläne werden durchkreuzt.
Den ersten Tag sitzen wir in der Wohnung und spielen abwechselnd »Uno«, »Ligretto« und »6 nimmt«. Einschätzen können wir diesen Krieg nicht. Draußen wird weiter seelenruhig an den Baustellen gearbeitet. Wann wird der nächste Alarm kommen?
Wir halten es nicht mehr aus. Ein Spaziergang, um einfach raus zu kommen. Eilat ist kein bevorzugtes Angriffsziel. Ich will unbedingt nach Maalot, ich fühle mich ziemlich sinnlos in Eilat. Gott schenkt eine offene Tür, und so bin ich am 3. März abends wieder im Norden, während meine Verwandten den Weg über Ägypten nehmen.
Anfangs muss ich erst wieder den Zugang zur Gemeinschaft finden. Es ist ähnlich wie im Oktober 2024, aber ein ganz anderer Jahrgang.
Wir haben es wirklich gut mit dem Bunker, man schläft ruhig, arbeitet entspannt.
Die Zeit in Eilat hat mir einen kleinen Einblick in die Situation der meisten Menschen im Land gegeben. Man reagiert sensibler auf Geräusche, schläft anders, betet anders, kümmert sich anders um die Anderen. Man fühlt sich verbundener mit dem Volk. Die Soldaten liegen einem noch mehr auf dem Herzen. Und das, obwohl dort fast nichts anvisiert wurde.
Ich bin dankbar für die Zeit dort, dankbar wieder hier zu sein und dankbar für alle Gebete, die ihr für Israel kämpft. Psalm 122: Bittet für den Frieden Jerusalems.

