Asher Ud ist verstorben

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Asher-UdDer Holocaustüberlebende Asher Ud aus Jerusalem hat uns am 27. Januar 2015 – am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz – von einem Schicksal erzählt. 400 Zuhörer waren damals ins Bürgerzentrum in Bad Liebenzell gekommen. Jugendliche haben sich mit ihm fotografieren lassen, da ihnen bewusst wurde, dass die Begegnung mit einem Überlebenden der Shoah immer mehr zu etwas Besonderem wird, die Zeitzeugen werden immer älter. Wir haben nun erfahren, dass Asher Ud Ende August im Alter von 88 Jahren verstorben ist.

 

Asher Ud aus Jerusalem hieß nicht immer so: 1928 kam er als Anschel Sieradzki in Polen zur Welt. Sein Vater Schmuel Hirsch Sieradzki war Schneider, seine Mutter hieß Jocheved. Er hatte noch zwei Brüder, Berl und Gabriel.

 

1940 musste die Familie ins Ghetto ziehen, der Vater und der ältere Bruder wurden bald weggebracht. Als man das Ghetto 1942 auflöste, wurden die Übriggebliebenen zum jüdischen Friedhof gebracht, geschlagen und gedemütigt, einige wurden umgebracht, darunter viele Säuglinge. Aschers Mutter und Gabriel, der jüngere Bruder, wurden deportiert und ermordet. Ascher kam alleine ins Ghetto nach Lodz. Auch dieses Ghetto wurde 1944 aufgelöst, nun ging es nach Auschwitz, wo er seinen Bruder Berl wieder traf. Ascher Ud konnte arbeiten und durfte leben.

 

Wenige Wochen vor der Befreiung von Auschwitz nahmen die Nazis Ascher Ud mit vielen anderen auf den »Todesmarsch«. Wer überlebte, kam in andere Lager, Ud war noch in Mauthausen und Gunskirchen. Er blieb am Leben und kam nach der Befreiung durch die alliierten Streitkräfte nach Italien. Schon im November 1945 wanderte er dann in Israel ein, in die alte und neue Heimat des jüdischen Volkes. Er kämpfte im Unabhängigkeitskrieg des 1948 neugegründeten Staates und arbeitete danach in der Militärindustrie. Nachdem er in den Ruhestand kam, half er ehrenamtlich in Einrichtungen für Holocaustüberlebende.

 

Bis 1991 schwieg Ascher Ud über seine Erlebnisse während des Holocausts. 1993 reiste er nach Polen und errichtete einen Gedenkstein für die ermordeten Juden über einem Massengrab. Unter den 219 Menschen, die dort begraben sind, könnten seine Mutter und sein jüngerer Bruder sein. Und dann berichtete er seine Erinnerungen Schülern, Studenten und Soldaten. »Anscheinend bin ich am Leben geblieben, um es den kommenden Generationen zu erzählen. Das die hauptsächliche Bestimmung meines Lebens«, sagte er. Am 29. August ist Asher Ud verstorben.

 

Der Vortrag im Januar 2015 wurde von uns dokumentiert, Asher Uds eindrückliches Lebenszeugnis kann auf der Internetseite www.papierblatt.de angesehen werden.